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deutscher mob meets egotronic… ich mag egotronic ja und natuerlich koennen die sich ihr publikum auch nur bedingt selbst aussuchen. es war aber schon ziemlich heftig was ich gestern auf einem ihrer konzerte in wiesbaden (vorgruppe: juri gagarin) erleben musste.

der altersdurchschnitt war extrem niedrig. eine groessere gruppe ausschlieszlich maennlicher konzertbesucher beschloss dem gesamten publikum pogo aufzuzwingen. eine andere gruppe volksdeutscher zog die t-shirts aus um gestaehlte, arische koerper zu praesentieren, stimmte gesaenge wie in der fankurve im stadion (schalalala mit rhytmus-klatschen) an. besonders bescheuert: es gab leute die pogten sogar bei “unser spass sieht aber anders aus”. auch schoen: ein freund von mir wurde angepoebelt, weil irgendein fleichklopps der meinung war er wuerde zu nah an dessen freundin tanzen. teilweise ging es zu wie im zoo.

egotronic haben auf das verhalten des publikums nicht sichbar reagiert. ist natuerlich auch nicht einfach sich gegen das eigene publikum zu stellen und mensch selbst hat auf der buehne vielleicht auch andere sorgen. aber wer einen track macht in dem es heiszt “wer auf unsere shows die anderen nervt, wird hier im abseits stehen” sollte dann auch bereit sein entsprechend zu handeln.

der schlachthof in wiesbaden (dort fand das konzert statt) ist mir bei der gelegenheit ebenfalls massiv negativ aufgefallen. einerseits wurde eine person am einlass diskriminiert, weil sie nicht die deutsche staatsbuergerschaft und dementsprechend auch keinen personalausweis hat. auszerdem schritt selbst bei den uebelsten auswuechsen von asozialem verhalten im publikum niemand ein und mensch musste sich irgendwie gegen den deutschen mob behaupten, der gekommen war um gegen sich selbst zu raven.

gegen die krise oder selbst die krise? am 28.03.09 waren in frankfurt und berlin die sogenannten “krisendemos”. breite buendnisze von gewerkschaftern, attac-weltvebeszerern etc. protestierten gewohnt reformistisch dagegen, dasz sie (und nicht die “heuschrecken”, also manager, amerikaner, juden usw.) die folgen der sogenannten “finanzkrise” zahlen muessten.

in frankfurt wurde als gegenpart dazu gleichzeitig vom “ums ganze”-buednisz eine “antinationale” demonstration unter dem motto “staat.nation.kapital.scheisze. fuer die soziale revolution” abgehalten. die gruppen, welche die demo faktisch organisierten, waren vor allem die autonome antifa [f] und die freie arbeiterinnen union (kurz fau), eine anarchistische initiative zur gruendung einer gewerkschaft ohne massenbasis.

allgemeine aussagen zum “ums ganze”-buendnis spare ich mir mal und verweise lieber auf das flugblatt der neocommunistinnen. dieses gibt zwar nicht hundertprozentig meine meinung zu dem thema wieder, aber die problematik wird doch sehr umfassend beleuchtet. wobei der diss gegen die ewig gestrigen von der “interventionistischen linken” natuerlich geschenkt ist. leute die da mitlaufen erreichen gut gemeinte appelle sowieso hoechst selten.

aber nun konkret zum verlauf bzw. zum verlauf des beginns der demo in frankfurt. einige israesolidarische antifas beschloszen, angesichts der grassierenden strukturell antisemitischen kapitalismuskritik, welche “die gierigen manager” fuer die “finanzkrise” verantwortlich macht, auf der demo israelfahnen zu tragen. die personen wurden direkt nach dem entrollen ihrer fahnen beleidigt und angepoebelt, dieses verhalten setzt sich im verlauf der demonstration fort und kulminierte etwas spaeter auch in der androhung von koerperlicher gewalt. diskussionsbereit war niemand, es sollte nur hass artikuliert werden.

die veranstalter wiesen die fahnentraeger darauf hin, dasz dies eine “antinationale” demonstration sei und es einen konsens gebe, welcher besage, dass nationalfahnen nicht zulaeszig seien. als “kompromiss” wurde vorgeschlagen, dass die fahnentraeger sich an das ende der demo begeben, wo die “kommunistische partei der tuerkei” lief, aus deren reihen es bereits zu gewaltdrohungen gekommen war. auf den hinweis, dass mensch dort mit einer israelfahne wahrscheinlich verpruegelt werden wuerde, gab es eine deutliche antwort: “das ist nicht mein problem.”. auf inhaltliche diskuszionen lieszen sich die organisatoren zu keinem zeitpunkt ein. den hinweis, dass viele demonstranten einen antisemitischen putzlappen um den hals trugen lieszen sie ebenso wenig gelten, wie die verweise auf zur schau getragenen strukturellen antisemitismus (z.b. demonstrant mit durchgestrichenem dollarzeichen auf der wange). sogar ein (sehr frischer) aussteiger aus der militanten nazi-szene durfte auf der demo mitlaufen. des weiteren wurden anti-israelische flyer der hetzschrift “gegenstandpunkt” verteilt.

aufgrund der staendigen drohungen und poebeleien, gepaart mit der mangelnden solidaritaet der organisatoren, verlieszen die fahnentraeger die demonstration kurz nach beginn. auch weiterhin gilt in frankfurt: es wird lieber mit (strukturellen) antisemiten und antiimps demonstriert, als mit israesolidarischen linken, die diese solidaritaet auch nach auszen artikulieren moechten. lieber wird mit der laecherlichen fau koaliert, die in frankfurt vielleicht 20-30 personen mobilisieren kann, als zu versuchen die wachsende zahl israelsolidarischer linker, welcher sich aus solchen gruenden aus der szene zurueckgezogen haben, wieder ins boot zu holen. einzig positiv hervorzuheben ist die spontane solidaritaet einiger genossen aus wuerzburg, welche vermutlich durch ihre anwesenheit einer eskalation entgegengewirkt haben.

als einzige gelungene aktion koennen also die stoerungen bei der rede lafontaines gewertet werde. ein schwacher trost.

steinzeit meets kartoffeln… es gibt mal was zum lachen. viel zu weit weg um dort mal vorbei zu schauen. eigentlich schade.

german rap sucks… es ist ekelhaft, was die deutsche hip hop-szene aktuell so produziert. war mensch bisher von sexismus, dummheit, homophobie, aufrufen zur gewalt und laecherlichem gepose selbsternannter “gangster” schon mehr als genug genervt, so gibt es nun einen neuen trend: deutschtuemelei. dabei reicht die spanne von samy deluxe bis massiv.

inhaltlich ist alles dabei. keine ahnung von gar nichts ist natuerlich grundvorraussetzung, aber das ist eben nicht alles. samy deluxe etwa stoesst in das horn nationaler mobilmachung: “wir muessen was fuer unser land tun”. also am besten auf nach afghanistan! aber das muss ja auch sein, denn “wir haben keinen nationalstolz und das blosz wegen adolf. ja toll. schoene scheisze. der typ war doch eigentlich ein oesterreicher. ich frage mich ‚was soll das?‘ als waere ich herbert groenemeyer.” also abgesehen davon, dass ich 2006 bei der unsaeglichen fuszball-weltmeisterschaft etwas anderes beobachtet habe: nein, nicht “adolf” ist der grund, warum stolz auf deutschland zu sein sehr sehr uncool ist. schonmal davon gehoert, dass hitler den holocaust und den 2. weltkrieg nicht alleine zu verantworten hat? schonmal davon gehoert, dass millionen deutsche nazis waren und ihre ideologie sich bis heute in deutschen koepfen festgesetzt hat? okay, du lieszt eben keine buecher, samy. dann rap aber bitte auch weiter uebers kiffen. davon verstehst du wenigstens was!

massiv ist intelektuell offenbar noch schlechter bestueckt. er behauptet allen ernstens in seiner hymne auf deutschland: “hier ist die hautfarbe egal.” naja, nur weil sich die meisten nicht trauen einen typen rassisitisch anzumucken, der aus 120 kilo muskelmasse besteht, gibt es in deutschland offenbar keinen rassismus. unwissentlich plaediert massiv dann auch fuer eine zeitgemaesze form der volksgemeinschaft: “egal ob arm oder reich, schwarz oder weisz.”

ich geh kotzen.

rr

frankfurter kartoffeln wollen dresden spielen… am kommenden sonntag, dem 22. maerz, will die frankfurter kleinpartei “freie waehler bff” um 18 Uhr vor dem technischen rathaus der zerstoerung der frankfurter altstadt durch die alliierten gedenken. dabei handelt es sich nicht um eine offen neonazistische gruppe, sondern allem anschein nach vielmehr um eine bürgerliche, deutschnationale partei.

inhaltlich muss (hoffentlich) nichts mehr zu einem solchen versuch gesagt oder geschrieben werden, die deutsche geschichte einer rechtsgerichteten revision zu unterziehen um einen neuen nationalismus zu etablieren. bleibt nurnoch alle menschen, welche nicht geschichtsvergessen sind, aufzufordern die demonstration “kritisch zu begleiten”.