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communism vs. morality… soeben habe ich mir den vortrag “Die Moral und ihre großen Werte – nichts wert!” von dr. rolf roehrig angehoert.

zunaechst moechte ich klarstellen, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass roehrig fuer die antisemitische zeitschrift “gegenstandpunkt” schreibt und daher sich mit politischen ansichten und vorgehensweisen gemein macht, die alles andere als emanzipatorisch sind. das wird auch in der einleitung deutlich, wenn auf einen vortrag zur “kritik an israel” verwiesen wird, wie in solchen kreisen antisemitismus genannt wird.

das ist hier aber gar nicht thema. vielmehr legt roehrig anschaulich dar, wieso moral irrational ist und letztlich niemals grundlage einer emanzipatorischen politik sein kann. dies finde ich besonders interessant, weil ich mich in meinem alltag immer wieder mit vermeintlichen kommunistinnen und kommunisten herumschlagen muss, die eben nicht rein rational, sondern auch oder sogar ausschlieszlich moralisch argumentieren.

schonungslos legt roehrig die grundlagen moralischen denkens offen und macht damit – ohne diesen punkt je explizit anzusprechen – auch deutlich, dass es kaum reine moralisten gibt, sondern bei fast allen menschen rationale elemente hinein spielen. wer beispielsweise erkannt hat, dass groszer fleisz alleine nicht zwangslaeufig zu materiellen wohlstand fuehrt und mensch trotzdem arbeitslos werden kann, ist kein reiner moralist mehr. ein reiner moralist fordert fleisz (und viele andere tugenden) einfach von allen menschen ein und glaubt, dass sich alle probleme von selbst erledigen, wenn alle menschen diese regeln befolgen. das ist zutiefst irrational und schlicht falsch. aber auch mischformen zwischen moral und ratio sind nicht wesentlich produktiver. sie sind vorallem deswegen so laestig, weil sie auch in vermeintlich aufgeklaerte und emanzipatorische kreise eingang finden und ansaetze grundlegender kritik ver- oder zumindest behindern und falsche politische theorie und praxis befoerdern.

einen kleinen kritikpunkt habe ich jedoch zum vorliegenden vortrag: beim thema altruismus (ca. ab minute 74) wird erklaert, dass es “einfach verkehrt” sei, dass es generell antiemanzipatorisch (aus sicht von buergerlichen personen vielleicht auch boese) sei andere menschen zum bloszen objekt zu machen. roehrig haelt dem entgegen, dass alle menschen sich dauernd gegenseitig zu objekten machten, zum beispiel auch zu objekten ihrer liebe. dabei vergisst er jedoch voellig, dass es eben doch einen unterschied macht, ob ich einen menschen ausschliszlich zum objekt meiner liebe mache, oder ob ich sie/ihn gleichzeitig auch als subjekt anerkenne. es handelt sich hier also eher um einen rhetorischen trick, als um eine fundierte kritik. dies aendert jedoch nichts daran, dass roehrig mit seiner ablehnung des altruismus‘ sehr wohl recht hat. einen menschen zum objekt zu machen ist an sich noch nicht antiemanzipatorisch, diesem menschen gleichzeitig aber das subjektsein abzusprechen, ist es sehr wohl.

auszerdem versteigt sich roehrig danach noch in eine haltlose “kritik” am egoismus, den er fuer einen “falschem materialismus” haelt. es wird nicht ganz so deutlich, wie ich es mir wuenschen wuerde, dass mensch als einzelperson oder kleine gruppe eben nicht die moeglichkeit hat sich dem kapitalistischen konkurrenzkampf zu entziehen. der konkurrenzkampf ist jedoch nur die form ist, die der egoismus im kapitalismus annehmen muss, nicht der egoismus an sich. dieser abschnitt gipfelt in den folgenden saetzen: “sich als egoist mit den schranken, die einem der kapitalismus aufnoetigt bei den mitteln zu arrangieren und unter dem regime der schranken fuer sich das beste raus zu kaempfen, das geht immer notwendig gegen die anderen. materialismus waere die schranken nicht mehr zu akzeptieren, sie zu kritisieren und wenn es geht: zu beseitigen.” dabei vergisst roehrig leider, dass auch kommunistinnen und kommunisten vor der weltrevolution ein dach ueber dem kopf und was zu fressen brauchen. ein bisschen spasz waere natuerlich auch noch ganz nett. in wahrheit kann also niemand die schranken blosz kritisieren und versuchen sie zu beseitigen, gleichzeitig bewegt sich mensch auch immer zwischen ihnen um irgendwie die eigene existenz zu sichern. entscheidend ist nur, ob dies affirmativ geschieht oder waehrend mensch daran arbeitet, die schranken eines tages zu sprengen.

gegen die krise oder selbst die krise? am 28.03.09 waren in frankfurt und berlin die sogenannten “krisendemos”. breite buendnisze von gewerkschaftern, attac-weltvebeszerern etc. protestierten gewohnt reformistisch dagegen, dasz sie (und nicht die “heuschrecken”, also manager, amerikaner, juden usw.) die folgen der sogenannten “finanzkrise” zahlen muessten.

in frankfurt wurde als gegenpart dazu gleichzeitig vom “ums ganze”-buednisz eine “antinationale” demonstration unter dem motto “staat.nation.kapital.scheisze. fuer die soziale revolution” abgehalten. die gruppen, welche die demo faktisch organisierten, waren vor allem die autonome antifa [f] und die freie arbeiterinnen union (kurz fau), eine anarchistische initiative zur gruendung einer gewerkschaft ohne massenbasis.

allgemeine aussagen zum “ums ganze”-buendnis spare ich mir mal und verweise lieber auf das flugblatt der neocommunistinnen. dieses gibt zwar nicht hundertprozentig meine meinung zu dem thema wieder, aber die problematik wird doch sehr umfassend beleuchtet. wobei der diss gegen die ewig gestrigen von der “interventionistischen linken” natuerlich geschenkt ist. leute die da mitlaufen erreichen gut gemeinte appelle sowieso hoechst selten.

aber nun konkret zum verlauf bzw. zum verlauf des beginns der demo in frankfurt. einige israesolidarische antifas beschloszen, angesichts der grassierenden strukturell antisemitischen kapitalismuskritik, welche “die gierigen manager” fuer die “finanzkrise” verantwortlich macht, auf der demo israelfahnen zu tragen. die personen wurden direkt nach dem entrollen ihrer fahnen beleidigt und angepoebelt, dieses verhalten setzt sich im verlauf der demonstration fort und kulminierte etwas spaeter auch in der androhung von koerperlicher gewalt. diskussionsbereit war niemand, es sollte nur hass artikuliert werden.

die veranstalter wiesen die fahnentraeger darauf hin, dasz dies eine “antinationale” demonstration sei und es einen konsens gebe, welcher besage, dass nationalfahnen nicht zulaeszig seien. als “kompromiss” wurde vorgeschlagen, dass die fahnentraeger sich an das ende der demo begeben, wo die “kommunistische partei der tuerkei” lief, aus deren reihen es bereits zu gewaltdrohungen gekommen war. auf den hinweis, dass mensch dort mit einer israelfahne wahrscheinlich verpruegelt werden wuerde, gab es eine deutliche antwort: “das ist nicht mein problem.”. auf inhaltliche diskuszionen lieszen sich die organisatoren zu keinem zeitpunkt ein. den hinweis, dass viele demonstranten einen antisemitischen putzlappen um den hals trugen lieszen sie ebenso wenig gelten, wie die verweise auf zur schau getragenen strukturellen antisemitismus (z.b. demonstrant mit durchgestrichenem dollarzeichen auf der wange). sogar ein (sehr frischer) aussteiger aus der militanten nazi-szene durfte auf der demo mitlaufen. des weiteren wurden anti-israelische flyer der hetzschrift “gegenstandpunkt” verteilt.

aufgrund der staendigen drohungen und poebeleien, gepaart mit der mangelnden solidaritaet der organisatoren, verlieszen die fahnentraeger die demonstration kurz nach beginn. auch weiterhin gilt in frankfurt: es wird lieber mit (strukturellen) antisemiten und antiimps demonstriert, als mit israesolidarischen linken, die diese solidaritaet auch nach auszen artikulieren moechten. lieber wird mit der laecherlichen fau koaliert, die in frankfurt vielleicht 20-30 personen mobilisieren kann, als zu versuchen die wachsende zahl israelsolidarischer linker, welcher sich aus solchen gruenden aus der szene zurueckgezogen haben, wieder ins boot zu holen. einzig positiv hervorzuheben ist die spontane solidaritaet einiger genossen aus wuerzburg, welche vermutlich durch ihre anwesenheit einer eskalation entgegengewirkt haben.

als einzige gelungene aktion koennen also die stoerungen bei der rede lafontaines gewertet werde. ein schwacher trost.

german rap sucks… es ist ekelhaft, was die deutsche hip hop-szene aktuell so produziert. war mensch bisher von sexismus, dummheit, homophobie, aufrufen zur gewalt und laecherlichem gepose selbsternannter “gangster” schon mehr als genug genervt, so gibt es nun einen neuen trend: deutschtuemelei. dabei reicht die spanne von samy deluxe bis massiv.

inhaltlich ist alles dabei. keine ahnung von gar nichts ist natuerlich grundvorraussetzung, aber das ist eben nicht alles. samy deluxe etwa stoesst in das horn nationaler mobilmachung: “wir muessen was fuer unser land tun”. also am besten auf nach afghanistan! aber das muss ja auch sein, denn “wir haben keinen nationalstolz und das blosz wegen adolf. ja toll. schoene scheisze. der typ war doch eigentlich ein oesterreicher. ich frage mich ‚was soll das?‘ als waere ich herbert groenemeyer.” also abgesehen davon, dass ich 2006 bei der unsaeglichen fuszball-weltmeisterschaft etwas anderes beobachtet habe: nein, nicht “adolf” ist der grund, warum stolz auf deutschland zu sein sehr sehr uncool ist. schonmal davon gehoert, dass hitler den holocaust und den 2. weltkrieg nicht alleine zu verantworten hat? schonmal davon gehoert, dass millionen deutsche nazis waren und ihre ideologie sich bis heute in deutschen koepfen festgesetzt hat? okay, du lieszt eben keine buecher, samy. dann rap aber bitte auch weiter uebers kiffen. davon verstehst du wenigstens was!

massiv ist intelektuell offenbar noch schlechter bestueckt. er behauptet allen ernstens in seiner hymne auf deutschland: “hier ist die hautfarbe egal.” naja, nur weil sich die meisten nicht trauen einen typen rassisitisch anzumucken, der aus 120 kilo muskelmasse besteht, gibt es in deutschland offenbar keinen rassismus. unwissentlich plaediert massiv dann auch fuer eine zeitgemaesze form der volksgemeinschaft: “egal ob arm oder reich, schwarz oder weisz.”

ich geh kotzen.

rr

Wenn kartoffeln streiken… Heute wurde die verkehrsgesellschaft frankfurt am main bestreikt. Das nervt natuerlich erstmal tierisch, wenn mensch (wie ich) kein auto besitzt und daher um irgendwo hin zu kommen laufen oder ein fahrrad benutzen musz. Streiks fuer einen hoeheren lohn sind zwar in keiner weise emanzipatorisch oder auch blosz antikapitalistisch, aber dennoch habe ich durchaus verstaendnis dafuer. Waere ich u-bahn-fahrer, haette ich mich auch beteiligt. allein schon, weil mensch dann einen zusaetzlichen freien tag bekommt.

Aber dennoch steht dieser warnstreik mit seiner auszchlieszlich symbolischen wirkung – wie so viele streiks zuvor – exemplarisch fuer die postnazistische art zu streiken in deutschland. der sinn eines streiks ist es (sofern es kein politischer ist), dasz der arbeitgeber sich durch den streik gezwungen sieht, den forderungen der lohnabhaengigen nachzugeben. Eigentlich funktioniert das so, dasz die streikenden so hohe finanzielle belastungen bei ihrem arbeitgeber verursachen, dasz dieser irgendwann vor der wahl steht, pleite zu gehen oder nachzugeben. Ein warnstreik ist dabei ausdruck der hoffnung, dasz der arbeitgeber schon nachgibt, wenn die lohnabhaengigen beweisen, dasz sie einen tag lang streiken koennen. Mehr kann auch in diesem fall gar nicht erreicht werden, denn die finanziellen einbuszen der vgf duerften minimal sein. Besitzer von dauerkarten haben fuer den tag ja trotzdem bezahlt. Auch ist fraglich, ob sie nicht ganz automatisch auch anteile aus einzelfahrscheinen erhaelt, die an diesem tag geloest wurden, um die s-bahn und regionalzuege der db zu benutzen.

Die streiks im postnazistischen deutschlands funktionieren typischerweise fast immer in dieser symbolischen weise. Warnstreiks gibt es dauernd, „richtige“ streiks sind selten und werden fast nur von berufsgruppen durchgefuehrt, die relativ ueberschaubar sind, ohne die aber nichts geht. nicht nur auf bahnfahrer, sondern noch in deutlich staerkerem masze trifft dies auf piloten zu.
Streiken bestimme gruppen von lohnabhaengigen laengere zeit, weil der arbeitgeber hart bleibt, schwenkt die oeffentliche meinung sehr bald dazu ueber die streikenden als volksverraeter zu sehen. So geschehen etwa bei den streiks der lockfuehrer der deutschen bahn vor etwa einem jahr. Zunaechst war das mediale echo relativ verstaendnisvoll, aber schon sehr bald wurde die berichterstattung immer ablehnender, weil die streikenden einfach weitermachten und nicht nachgeben wollten.

Der unterschied zu anderen europaeischen laendern (zum beispiel frankreich) ist offensichtlich. Die frage ist nun dabei, woran das liegt. hier erscheint die idee der nationalsozialistischen “volksgemeinschaft“ als erklaerungsmuster aeuszerst plausibel. Sie war die antwort der nationalsozialisten auf den gegensatz von arbeiterklasze und kapitalisten. Beide gruppen wurden zur „volksgemeinschaft“ verschmolzen, indem die nazis aeuszere feinde schufen bzw. herbeiimaginierten und als projektionsflaeche nutzten. Die widersprueche im kapitalismus wurden zwar in keiner weise auszer kraft gesetzt, aber es wurde ein klima geschaffen, indem die kategorie “deutscher“ als unteilbar gesehen und feinde nur auszerhalb dieser kategorie ausgemacht wurden. Verantwortlich fuer die probleme deutscher arbeiter waren nach dieser logik typischerweise die “goldene internationale“ (liberaler kapitalismus) und die “rote internationale“ (bolschewismus/sozialismus), als verschwoerungen des “weltjudentums“ gegen die “arier“. Streiks gegen deutsche arbeitgeber machen in einem solchen gefuege natuerlich keinen sinn. Solche gegen juedische unternehmer sind sehr bald auch nicht mehr moeglich gewesen, da alle enteignet (und viele auch ermordet) worden waren. Somit gab es gar keine arbeitskaempfe mehr, denn nun war die deutsche wirtschaft ja wieder “arisiert“ und jede, der ihr lohn zu niedrig war, war blosz eine juedische agentin, die zersetzende propaganda ins deutsche volk tragen wollte.

Im postnazistischen deutschland nach 1945 besteht die volksgemeinschaft in den koepfen der menschen weiterhin fort und wurde von einer genration an die naechste weitergegeben. Es gab natuerlich modifikationen, um den gedanken den veraenderten umstaenden anzupaszen. Den meisten vertretern des gedankens der volksgemeinschaft ist auch gar nicht bewuszt, welche motivation ihrem handeln da eigentlich wirklich zugrunde liegt. Nichts desto trotz handelt es sich noch immer zum ein zentrales element deutscher zustaende und befindlichkeiten, der von einem groszteil der bevoelkerung reproduziert wird. In diesem kontext scheint auch das zoegerliche verhalten von lohnabhaengigen in deutschland logisch, den arbeitgeber – wenn ueberhaupt – fast immer nur symbolisch zu bestreiken. Die streikenden wollen keinen bruch innerhalb der volksgemeinschaft herbeifuehren, sondern hoffen letztlich darauf sich weiterhin mit ihren arbeitgebern unter dem banner des deutschtums tummeln zu koennen. Und selbst wenn die jeweiligen lohnabhaengigen diese deutsche verfasztheit mal nicht reproduzieren wuerden, haetten sie noch immer aus genau diesen gruenden die oeffentliche meinung gegen sich, was einen erfolgreichen streik zumindest enorm erschwert.

don’t fuck with german nationalism… oliver pocher ist ein grottiger bloedel-komiker und eine typische deutsche kartoffel. am liebsten macht er chauvinistische witze, ueber die nur andere kartoffeln lachen koennen.

aber: wenn pocher witze ueber frauen oder migranten macht, interessiert das niemanden. manche lachen sogar drueber. wagt er es aber sich ueber den faschisten stauffenberg lustig zu machen, welcher hitler toeten wollte, um das deutsche reich zu retten und nicht, weil er den nationalsozialismus so schrecklich fand, so wird pocher gleich auf das schaerfste attackiert. zitat von therese wieland, mitglied im swr-rundfunkrat: ’und es ist nicht hinnehmbar, dass man den helden des deutschen widerstandes so ins laecherliche zieht.’ pressefreiheit? selten so gelacht. freie meinungsaeuszerung? nur solange wie nichts geaeuszert wird, was den volkskoerper mit artfremden gedankengut schaedigen koennte.

hier wird also klar, was die diskussion um den unsaegliche schmachtfetzen ’operation walkuere’ leider schon seit laengerem vermuten laesst: stauffenberg und seine mitverschwoerer werden voellig unkritisch als ’nationale helden’ abgefeiert. hier kann der deutsche michel der ganzen welt zeigen, dass nicht alle deutschen nazis waren und so die geschichte wieder ein stueck vergessen. widerlich.

infos zu stauffenberg und den anderen verschwoerern vom 20. juli 1944 gibt es hier .