Archiv der Kategorie 'antisemitismus'

antinational against the wall… auf faultiers blog argumentiert die oder der autorIN ganz klassisch antinational gegen eine linksradikale solidaritaet mit israel. zunaechst wollte ich ueber die kommentarfunktion eine diskussion anstoszen, aber da mein kommentar nun seit tagen auf freischaltung wartet, schaffe ich meiner antwort die oeffentlichkeit jetzt einfach selbst.

wer sich fuer den genauen wortlaut und die argumentationsmuster interessiert, sollte ruhig meinen link nutzen, und die worte des faultiers im original lesen. ich werde hier nur die thesen skizzieren, um sie dann zu kommentieren.

- ’juedische interessen’ wuerden ’auf ein juedisches gesamtinteresse nach schutz vor praktizierung von antisemitismus’ ’reduziert’, indem mensch hier willkuerlich das prinzip des kapitalistischen, buergerlichen nationalstaats hochhielte, waehrend sie oder er es anderswo als antiemanzipatorisch ablehne.

hier uebersieht faultier, dass diese ’praktizierung von antisemitismus’ eliminatorisch ist, die antisemiten von hamas und konsorten wollen alle juedinnen und juden ermorden. daher wird durch einen schutz gegen diesen antisemitismus das wichtigste beduerfnis der betroffenen juden befriedigt: das beduerfnis zu (ueber)leben. und ja, dieses beduerfnis hat einen hoeheren stellenwert, als sich der kapitalistischen ausbeutung zu entziehen. wer tot ist, dem ist auch kapitalistische ausbeutung ziemlich egal.

hinzu kommt, dass es auf absehbare zeit keine andere moeglichkeit gibt sich gegen die militaerische kraft von staaten wie dem iran, syrien etc., sowie die terroristen von hamas und anderen zu schuetzen, ohne selbst ein solches militaer zu haben. wuerden israel und das dazugehoerige militaer morgen aufhoeren zu existieren, gaebe es sofort einen neuen holocaust, der in der ermordung aller juedinnen und juden in israel muenden wuerde. dies kann nicht ernsthaft forderung einer linksradikalen kritik sein, so widerlich der kapitalismus auch sein mag.

- nun folgt das mit abstand schlechteste argument des textes. das scheint der/dem autorIN auch aufgefallen zu sein, denn daran wird nur ein einziger satz verschwendet. dennoch ist die aussage, dass ’israel des weiteren gar kein brauchbares mittel gegen antisemitismus ist’, weil ’Juden in den heutigen Tagen im Nahen Osten alles andere als ungefährdet leben’ ein antizionistischer klassiker und damit eine betrachtung wert.

israel deswegen (mehr) abzulehnen, weil es durch nachbarstaaten und terroristen stets gefaehrdet ist, ist das gleiche wie zu fordern, dass alle migranten doch bitte deutschland verlassen sollen, weil es hier gewalttaetige rassisten gibt, die ihre gesundheit und ihr leben gefaehrden. hier wird allen ernstes gefordert, dass die opfer den taetern einfach ueberlassen sollen, was diese verlangen. das ist alles moegliche, nur kein emanzipatorisches anliegen.

- der naechste kritikpunkt ist dann wieder klassisch antinational. israel sei ja voellig egal, warum es angegriffen werde, es bekaempfe einfach jeden gegner, wie das ein nationalstaat eben tue. es sei daher kein adaequates mittel gegen antisemitismus und wuerde auch niemals zur beseitigung von eben diesem antisemitismus fuehren.

stimmt ja alles mehr oder weniger, ist aber kein grund nicht solidarisch mit israel zu sein. in israel leben nun mal vor allem juden und die wichtigsten gegner des israelischen staates sind nun mal alle antisemitisch motiviert. daher sind selbstschutzinteresse des staates israel und das interesse der dort lebenden juden vor antisemiten geschuetzt zu werden deckungsgleich. mag ja sein, dass israel (wie jeder andere nationalstaat auch) repressiv gegen emanzipatorische anliegen vorgeht, aber israel bleibt, solange es von eliminatorischen antisemiten umzingelt ist, ohne alternative. hinzu kommt, dass eine linksradikale revolution, welche auf einen einzelnen, kleinen staat wie israel beschraenkt bleibt, niemals funktionieren koennte. im 21. jahrhundert kann eine soziale revolution, die den kapitalismus dauerhaft auszer kraft setzen soll, nur weltumspannend sein. zumindest die grosz- und supermaechte muessten betroffen sein.

- naechste punkte sind ’eine sortierung des staatsvolks’ und damit eine ’form rassistischer selektion’ durch israel, weil dieser sich willkuerlich als juedischer staat definiere und nicht-juden ausschliesze bzw. diskriminiere.

dazu sei gesagt, dass israel bei seiner gruendung mehr als 100.000 arabern (fast alles muslime) bei seiner gruendung die staatsbuergerschaft zuerkannte. des weiteren gilt auch hier wieder: die alternative ist ein massenmord an juden. auszerdem bedenken wir mal was waere, wenn israel nie gegruendet worden waere: dann gaebe es stattdessen entweder einen palaestinensischen staat oder, was sehr viel wahrscheinlicher ist, die umliegenden arabischen staaten haetten das gebiet unter sich aufgeteilt. es gaebe dann keine freie presse, keine formale gleichberechtigung fuer frauen, keine demokratie und eine andere, noch sehr viel unangenehmere form des kapitalismus, die aufgrund von korruption und misswirtschaft einen steten mangel produziert.

zum schluss sei noch mal gesagt, dass natuerlich auch israel all die fehler hat, die kapitalistischen nationalstaaten nun mal per definition zueigen sind. der eliminatorische antisemitismus der nachbarstaaten israels und diverser palaestinensischer gruppen ist nun mal ein fakt. solange dieser also existiert und wir auf eine weltrevolution warten kann es keine (emanzipatorische) alternative zu israel geben. wer dies nicht einsehen will und lieber die sofortige abschaffung aller staaten fordert, der lebt in einer traumwelt. linksradikale israelsolidaritaet ist notwendige realpolitik.

fuer den kommunismus!

staaten abschaffen – aber israel als letzten!

never walk with an anti-semite… in frankfurt, wo auch die/der autorIN dieses blogs lebt, fand am 14. januar eine demonstration ’fuer sozialen fortschritt’ statt. zu dieser rief ein buendnis aus diversen ’linken’ gruppen auf. bei der letzten vorbesprechung kam es dann zu einem konflikt, weil einige buednispartner mit einem ausstieg drohten, wenn die demonstration nicht stellung zum nah-ost-konflikt beziehe. daraufhin kam es zum streit und schlieszlich wurde sich auf einen ’minimalkonsens’ geeinigt, welchen ich zitieren und kommentieren werde:

’schluss mit dem morden, toeten und mit dem leid der menschen im nahen osten! wir fordern: waffenstillstand! stopp aller kampfhandlungen von allen seiten! blockade aufheben, oeffnung der grenzen! sofortige medizinische hilfe! keine militaerischen loesungen! schluss mit allen waffenexporten deutschlands! wir wenden uns gegen antisemitismus, rassismus, sexismus, patriarchat, religioesen wahn, nationalismus, krieg und gegen alle gewaltverhaeltnisse von menschen ueber menschen. wir treten ein fuer die wahrung der menschenrechte und fuer die emanzipation aller menschen! die grenze verlaeuft nicht zwischen staaten sondern zwischen oben und unten!’

ich selbst habe die daraus resultierende demo besucht und war zugegen, als dieser text vorgelesen wurde. wir lernen hier: die faschisten von der hamas schieszen seit jahren tausende von raketen auf israel, dort herrschen angst und ein permanenter ausnahmezustand, doch gegen den krieg im nahen osten muss sich mensch erst aussprechen, wenn die israelis es wagen von ihrem recht auf selbstverteidigung gebrauch zu machen. auszerdem handelt es sich um ’mord’, wenn es nicht einfach hingenommen wird, dass menschen von antisemitischen fanatikern bombardiert werden.

’es wird ein stopp aller kampfhandlungen’ gefordert, der sich letztlich nur an israel richtet. islamisten sind die aufforderungen irgendwelcher ’unglaeubigen’ doch sowieso voellig schnuppe. auszerdem ist auch hier der zeitpuntkt des aufrufes bezeichnend. wo sind diese friedensfreunde, wenn in israel raketen einschlagen oder selbstmordattentaeter wahllos toeten? des weiteren sollen die grenzen geoeffnet werden, damit die islamisten endlich wieder ungestoert waffen aus ihren arabischen ’bruderstaaten’ einfuehren koennen. deutschland hingegen soll doch bitte keine waffen mehr exportieren. der einzige abnehmer deutscher waffen im nahen osten ist israel. es wird also gefordert israel die moeglichkeiten zu beschneiden sich zu verteidigen, obwohl die hamas und einige kleinere islamistische gruppen nicht weniger planen als die vernichtung israels und die ermordung aller jüdinnen und juden. dies ist in der charta der hamas von 1988 niedergeschrieben und kann zum beispiel bei wikipedia unter ’hamas’ nachgelesen werden. mit solchen fanatikern sind verhandlungen nicht moeglich. dagegen hilft nur selbstverteidigung.

des weiteren wird ausgefuehrt, dass ’die grenze’ zwischen ’oben’ und ’unten’ verlaufe. eine solche sichtweise ist eine rechtfertigung fuer personalisierte kapitalismuskritik. auch wenn es manche der buendnisteilnehmer ueberraschen mag: es gibt gar keine grenze! das problem ist nicht irgendein diffuses ’oben’ (welches von der idee her sehr stark an antisemitische verschwoerungstheorien erinnert, stichwort ’struktureller antisemitismus’), sondern der kapitalismus und der nationalstaat als abstrakte soziale gebilde, welche sich laengst ’verselbststaendigt’ haben. wer das nicht verstehen kann, dessen kapitalismuskritik befindet sich auf dem gleichen niveau wie die scharfsinnigen wirtschaftlichen analysen von nazis.

aber nun zur demonstration selbst: israelnationalfahnen waren verboten, arafat-windeln aber in ordnung. es war konsens, dass der nah-ost-konflikt ansonsten in keiner weise gegenstand der demonstration sein sollte. bei dem obigen redebeitrag riefen eine handvoll menschen ’lang lebe israel’ und ernteten dafuer persoenliche beleidigungen, sowie parolen wie „solidaritaet mit der hamas!“.

auf der demonstration formierte sich dann ploetzlich ein ’palaestina-block’, welcher auch ein groszes front-transparent mit sich fuehrte, welches eine palaestinensische selbstmordattentaeterin zeigt. dieses tauchte bereits auf anderen antisemitischen aufmaerschen in letzter zeit auf. dieser block war also offensichtlich von anfang an geplant. es wurden parolen gerufen, die sich einseitig gegen israel und die usa richteten. diese klare missachtung der absprachen wurde von den meisten demonstranten gleichmuetig hingenommen. es kam vereinzelt zu ’lang lebe israel!’-rufen und entsprechenden poebeleien. ein redner der autonomen antifa [f] konnte sich nur dazu durchringen zu bekunden, dass er und seine gruppe ’keinen bock’ auf den ’palaestina-block’ haetten. praktische folgen hatte das nicht.

bei der abschlusskundgebung kam es dann zum offnen eklat. zunaechst wollte ein vertreter der hochschulgruppe der linkspartei sich bei seiner rede zum nah-ost-konflikt aeuszern. dafuer wurde ihm das mikrophon weggenommen. dann drohten einige palaestina-solidarische demonstranten vor beginn einer rede der jugendantifa frankfurt die rede zu stoeren, teilweise gar den ’lauti zu stuermen’, da israelsolidarische aussagen befuerchtet wurden. es zog eine horde von mit fahnen bewaffneten jungen menschen vor dem lautsprecherwagen auf, die offenbar aus dem umfeld der gruppe ’revolution’ kommen. es kam zu verbalen gefechten und wuesten drohungen, als sich einige aktivistinnen und aktivisten aus dem bereich verschiedener antifa-gruppen schuetzend vor den lautsprecherwagen stellten. die rede behandelte das thema nah-ost-konflikt dann jedoch mit keiner silbe, weswegen es nicht zu einer pruegelei kam.

alles in allem laesst sich zusammenfassen, dass hier wissentlich mit antisemiten paktiert wurde um eine groeszere mobilisierung zu erreichen und als diese antisemiten sich dann auch so auffuehrten wie es antisemiten eben tun, naemlich hetze gen juedinnen und juden betrieben usw., passierte schlicht nichts. es gab ein paar nette worte, aber die meisten demonstranten kamen nicht einmal auf die idee diesen mob deutscher faschisten von der demo zu katapultieren. na dann gute nacht, linke szene.

mehr infos zu diesem thema zum beispiel hier.

solange es antisemitismus gibt, wird es keinen frieden geben!

support israel!