Archiv für Juni 2009

communism vs. morality… soeben habe ich mir den vortrag “Die Moral und ihre großen Werte – nichts wert!” von dr. rolf roehrig angehoert.

zunaechst moechte ich klarstellen, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass roehrig fuer die antisemitische zeitschrift “gegenstandpunkt” schreibt und daher sich mit politischen ansichten und vorgehensweisen gemein macht, die alles andere als emanzipatorisch sind. das wird auch in der einleitung deutlich, wenn auf einen vortrag zur “kritik an israel” verwiesen wird, wie in solchen kreisen antisemitismus genannt wird.

das ist hier aber gar nicht thema. vielmehr legt roehrig anschaulich dar, wieso moral irrational ist und letztlich niemals grundlage einer emanzipatorischen politik sein kann. dies finde ich besonders interessant, weil ich mich in meinem alltag immer wieder mit vermeintlichen kommunistinnen und kommunisten herumschlagen muss, die eben nicht rein rational, sondern auch oder sogar ausschlieszlich moralisch argumentieren.

schonungslos legt roehrig die grundlagen moralischen denkens offen und macht damit – ohne diesen punkt je explizit anzusprechen – auch deutlich, dass es kaum reine moralisten gibt, sondern bei fast allen menschen rationale elemente hinein spielen. wer beispielsweise erkannt hat, dass groszer fleisz alleine nicht zwangslaeufig zu materiellen wohlstand fuehrt und mensch trotzdem arbeitslos werden kann, ist kein reiner moralist mehr. ein reiner moralist fordert fleisz (und viele andere tugenden) einfach von allen menschen ein und glaubt, dass sich alle probleme von selbst erledigen, wenn alle menschen diese regeln befolgen. das ist zutiefst irrational und schlicht falsch. aber auch mischformen zwischen moral und ratio sind nicht wesentlich produktiver. sie sind vorallem deswegen so laestig, weil sie auch in vermeintlich aufgeklaerte und emanzipatorische kreise eingang finden und ansaetze grundlegender kritik ver- oder zumindest behindern und falsche politische theorie und praxis befoerdern.

einen kleinen kritikpunkt habe ich jedoch zum vorliegenden vortrag: beim thema altruismus (ca. ab minute 74) wird erklaert, dass es “einfach verkehrt” sei, dass es generell antiemanzipatorisch (aus sicht von buergerlichen personen vielleicht auch boese) sei andere menschen zum bloszen objekt zu machen. roehrig haelt dem entgegen, dass alle menschen sich dauernd gegenseitig zu objekten machten, zum beispiel auch zu objekten ihrer liebe. dabei vergisst er jedoch voellig, dass es eben doch einen unterschied macht, ob ich einen menschen ausschliszlich zum objekt meiner liebe mache, oder ob ich sie/ihn gleichzeitig auch als subjekt anerkenne. es handelt sich hier also eher um einen rhetorischen trick, als um eine fundierte kritik. dies aendert jedoch nichts daran, dass roehrig mit seiner ablehnung des altruismus‘ sehr wohl recht hat. einen menschen zum objekt zu machen ist an sich noch nicht antiemanzipatorisch, diesem menschen gleichzeitig aber das subjektsein abzusprechen, ist es sehr wohl.

auszerdem versteigt sich roehrig danach noch in eine haltlose “kritik” am egoismus, den er fuer einen “falschem materialismus” haelt. es wird nicht ganz so deutlich, wie ich es mir wuenschen wuerde, dass mensch als einzelperson oder kleine gruppe eben nicht die moeglichkeit hat sich dem kapitalistischen konkurrenzkampf zu entziehen. der konkurrenzkampf ist jedoch nur die form ist, die der egoismus im kapitalismus annehmen muss, nicht der egoismus an sich. dieser abschnitt gipfelt in den folgenden saetzen: “sich als egoist mit den schranken, die einem der kapitalismus aufnoetigt bei den mitteln zu arrangieren und unter dem regime der schranken fuer sich das beste raus zu kaempfen, das geht immer notwendig gegen die anderen. materialismus waere die schranken nicht mehr zu akzeptieren, sie zu kritisieren und wenn es geht: zu beseitigen.” dabei vergisst roehrig leider, dass auch kommunistinnen und kommunisten vor der weltrevolution ein dach ueber dem kopf und was zu fressen brauchen. ein bisschen spasz waere natuerlich auch noch ganz nett. in wahrheit kann also niemand die schranken blosz kritisieren und versuchen sie zu beseitigen, gleichzeitig bewegt sich mensch auch immer zwischen ihnen um irgendwie die eigene existenz zu sichern. entscheidend ist nur, ob dies affirmativ geschieht oder waehrend mensch daran arbeitet, die schranken eines tages zu sprengen.

halbgare sachen… auf der antifa frankfurt seite steht, dass die autonome antifa [f] und die arbeiterkommunistische Partei des iran dazu aufrufen am 26. Juni vor dem iranischen konsulat in frankfurt gegen die regierung des mullah-staates zu demonstrieren. klingt erstmal ziemlich gut.

seltsam wird es aber im beschreibenden text. Dort steht “Die antifa[f] will sich dort vor allem mit Denjenigen im Iran solidarisieren, die „mit fortschrittlichem Anspruch gegen den islamistisch-totalitären Komplex“ kämpfen.” Der darauf folgende link, welcher suggeriert zu einem aufruf der autonomen antifa [f] zu fuehren, ist nicht erreichbar.

zwei moegliche schluesse lassen sich daraus ziehen: entweder der satz kommt wirklich von der [f], dann muss mensch sich doch ernsthaft fragen, was mit dieser gruppe falscht laeuft, wenn sie den terminus des totalitairismus in den mund nimmt. das impliziert eine relativierung des nationalsozialismus im besonderen und von faschismus im allgemeinen, bzw. eine daemonisierung des real existierenden sozialismus. ganz besonders wenn so etwas aus deutschland kommt, riecht es immer ganz stark nach politisch motiviertem geschichtsrevisionismus. zudem liesze sich das auch als halb-subtiler versuch verstehen, sich von denenen abzugrenzen, die den iran als “faschistisch” bezeichnen. denn so muesste die bezeichnung eigentlich lauten: “islamistisch-faschistisch”. ein weiterer versuch aus dem “ums ganze…”-buendniss an dem konstrukt eines abstrakten antinationalismus zu schustern, der explizit nicht antideutsch und israelsolidarisch ist und auch gar nicht sein will?

die andere moeglichkeit ist, dass die [f] so einen unfung nie vebreitet hat und es trotzdem auf der antifa frankfurt-seite steht. das ist durchaus moeglich, denn die homepage ist unabhaengig. die macherInnen sind nur wenigen eingeweihten personen bekannt. allerdings ist eine solche version schon sehr fragwuerdig, da bereits absehbar waere, dass die [f] das richtig stellt und die autoren damit als luegner bloszstellt.

send the mullahs to hell… die behandlung der proteste im iran in deutschland ist relativ eindeutig. es werden vergleiche zur wiedervereinigung der bundesrepublik mit der ddr gezogen, der bundestag spricht seine solidaritaet mit den demonstranten aus und die medien berichten letztlich aehnlich parteiisch. ahmadinedjad wird ploetzlich als diktator begriffen, waehrend eine solche wortwahl vorher kaum denkbar gewesen waere.

ganz und gar nicht so klar ist jedoch, was die mehrheit der protestierenden eigentlich will. zwar wurden die proteste durch die “wiederwahl“ des praesidenten ausgeloest und viele demonstranten sind unterstuetzer von moussavi, einem der drei unterlegenen kandidaten. aber auch der ist ein islamist und moechte israel vernichten. mit ihm ist also kein echter wandel zu machen.

demnach kann eine solidarisierung mit den protesten im iran also auch nur sinnvoll sein, wenn diese proteste sich nicht darauf beschraenken den diktator ahmadinedjad durch den diktator moussavi zu ersetzen. dies sollte bei jeder zusammenarbeit mit exil-iranerinnen immer wieder klargestellt werden.

auch in frankfurt demonstrierten diese am dienstag. dabei bot sich jedoch ein eher abschreckendes bild. die demonstranten versammelten sich am roemer, bildeten einen kreis und riefen sich dann gegenseitig parolen zu, die von auszen kaum zu verstehen waren. viele parolen wurden auszerdem auf persisch (zumindest in das meine vermutung, es war jedenfalls weder englisch noch deutsch) gerufen. ein paar demonstranten trugen antisemitische putzlappen. auf plakaten wurden ahmadinedjad allen ernstes als “putschist” bezeichnet. fragt sich nur gegen wen er angeblich geputscht haben soll. offenbar ist auch einigen der demonstranten auf dem roemerberg nicht klar gewesen, dass der praesident im iran vor allem repraesentative zwecke hat. die macht geht – wenn es hart auf hart kommt – vom islamischen “waechterrat” aus, der keinen kontrollen unterliegt und ausschlieszlich aus islamisten besteht. auch eher unangenehm war die unreflektierte uebernahme vorbelasteter parolen. so riefen die demonstranten zu “internationaler solidaritaet” auf und bewiesen damit eindrucksvoll fehlendes politisches bewusztsein.

ich solidarisiere mich ausdruecklich mit allen menschen im iran, die fuer ein ende der islamistischen diktatur und fuer einen freieren iran kaempfen, aber wenn solidaritaetsdemonstrationen so aussehen, bleibe ich zuhause.

New style… Wie mensch unschwer erkennen kann, hat dieser blog nun einen neuen header. Danke an den genossen, der sich die zeit genommen hat, um das teil zu designen. Endlich kann ich den haeszlichen header von vorher in die tonne kloppen.