gegen die krise oder selbst die krise? am 28.03.09 waren in frankfurt und berlin die sogenannten “krisendemos”. breite buendnisze von gewerkschaftern, attac-weltvebeszerern etc. protestierten gewohnt reformistisch dagegen, dasz sie (und nicht die “heuschrecken”, also manager, amerikaner, juden usw.) die folgen der sogenannten “finanzkrise” zahlen muessten.

in frankfurt wurde als gegenpart dazu gleichzeitig vom “ums ganze”-buednisz eine “antinationale” demonstration unter dem motto “staat.nation.kapital.scheisze. fuer die soziale revolution” abgehalten. die gruppen, welche die demo faktisch organisierten, waren vor allem die autonome antifa [f] und die freie arbeiterinnen union (kurz fau), eine anarchistische initiative zur gruendung einer gewerkschaft ohne massenbasis.

allgemeine aussagen zum “ums ganze”-buendnis spare ich mir mal und verweise lieber auf das flugblatt der neocommunistinnen. dieses gibt zwar nicht hundertprozentig meine meinung zu dem thema wieder, aber die problematik wird doch sehr umfassend beleuchtet. wobei der diss gegen die ewig gestrigen von der “interventionistischen linken” natuerlich geschenkt ist. leute die da mitlaufen erreichen gut gemeinte appelle sowieso hoechst selten.

aber nun konkret zum verlauf bzw. zum verlauf des beginns der demo in frankfurt. einige israesolidarische antifas beschloszen, angesichts der grassierenden strukturell antisemitischen kapitalismuskritik, welche “die gierigen manager” fuer die “finanzkrise” verantwortlich macht, auf der demo israelfahnen zu tragen. die personen wurden direkt nach dem entrollen ihrer fahnen beleidigt und angepoebelt, dieses verhalten setzt sich im verlauf der demonstration fort und kulminierte etwas spaeter auch in der androhung von koerperlicher gewalt. diskussionsbereit war niemand, es sollte nur hass artikuliert werden.

die veranstalter wiesen die fahnentraeger darauf hin, dasz dies eine “antinationale” demonstration sei und es einen konsens gebe, welcher besage, dass nationalfahnen nicht zulaeszig seien. als “kompromiss” wurde vorgeschlagen, dass die fahnentraeger sich an das ende der demo begeben, wo die “kommunistische partei der tuerkei” lief, aus deren reihen es bereits zu gewaltdrohungen gekommen war. auf den hinweis, dass mensch dort mit einer israelfahne wahrscheinlich verpruegelt werden wuerde, gab es eine deutliche antwort: “das ist nicht mein problem.”. auf inhaltliche diskuszionen lieszen sich die organisatoren zu keinem zeitpunkt ein. den hinweis, dass viele demonstranten einen antisemitischen putzlappen um den hals trugen lieszen sie ebenso wenig gelten, wie die verweise auf zur schau getragenen strukturellen antisemitismus (z.b. demonstrant mit durchgestrichenem dollarzeichen auf der wange). sogar ein (sehr frischer) aussteiger aus der militanten nazi-szene durfte auf der demo mitlaufen. des weiteren wurden anti-israelische flyer der hetzschrift “gegenstandpunkt” verteilt.

aufgrund der staendigen drohungen und poebeleien, gepaart mit der mangelnden solidaritaet der organisatoren, verlieszen die fahnentraeger die demonstration kurz nach beginn. auch weiterhin gilt in frankfurt: es wird lieber mit (strukturellen) antisemiten und antiimps demonstriert, als mit israesolidarischen linken, die diese solidaritaet auch nach auszen artikulieren moechten. lieber wird mit der laecherlichen fau koaliert, die in frankfurt vielleicht 20-30 personen mobilisieren kann, als zu versuchen die wachsende zahl israelsolidarischer linker, welcher sich aus solchen gruenden aus der szene zurueckgezogen haben, wieder ins boot zu holen. einzig positiv hervorzuheben ist die spontane solidaritaet einiger genossen aus wuerzburg, welche vermutlich durch ihre anwesenheit einer eskalation entgegengewirkt haben.

als einzige gelungene aktion koennen also die stoerungen bei der rede lafontaines gewertet werde. ein schwacher trost.


8 Antworten auf “”


  1. 1 kaputt 02. April 2009 um 20:32 Uhr

    schon tarurig wenn man die racketgröße als argument anführt, warum die gebildete bewegungslinke in form von umsganze doch lieber mit einem selber zusammenarbeiten soltle als mit antiimps.

  2. 2 rr 02. April 2009 um 20:45 Uhr

    eigentlich handelt es sich vielmehr um den versuch aufzuzeigen, dass das von der anderen seite verwendete „argument“ unsinn ist, weil sogenannte „antinationale“ linke auszerhalb der antifa-szene in deutschland hoechst selten sind.

  3. 3 Stachelblume 09. April 2009 um 16:53 Uhr

    Anstatt hier die Neocommunistinnen zu verlinken, hättest du lieber mal schreiben sollen welchen Wiederspruch du zu dem Text von denen hast! Abgesehen davon das sie es nicht schaffen korrekt zu gendern, ist deren Erguss sowieso immer dasselbe antilinke Vorurteil. Es ist doch gerade so das UMS GANZE versucht die verkürzte Krisenkritik zu kritisieren. Das ist eben nicht dasselbe wie die interventionistische Linke, sondern etwas neues. Und euer Gejammer mit den Israelfahnen ist auch für die Katz! Was haben Nationalfahnen auf einer Krisendemo zu suchen?

  4. 4 cony 09. April 2009 um 20:15 Uhr

    warum ist ein durchgestrichenes dollarzeichen antisemitismus?
    in meinem verständnis doch symbol für ablehnung des kapitalsmus.

  5. 5 Subtext 10. April 2009 um 12:03 Uhr

    einige israesolidarische antifas beschloszen, angesichts der grassierenden strukturell antisemitischen kapitalismuskritik, welche “die gierigen manager” fuer die “finanzkrise” verantwortlich macht, auf der demo israelfahnen zu tragen.

    Und jetzt erkläre doch mal bitte, wieso die Fahnen des Staates Israel ein Symbol sein sollen gegen „strukturellen Antisemitismus“ (meiner Ansicht nach kein optimaler Begriff, aber lassen wir das hier beiseite). Mit nationalem Treuebekenntnis gegen den Kapitalismus – das ist ja schon direkt Antiimp-Niveau.

    die personen wurden direkt nach dem entrollen ihrer fahnen beleidigt und angepoebelt, dieses verhalten setzt sich im verlauf der demonstration fort und kulminierte etwas spaeter auch in der androhung von koerperlicher gewalt. diskussionsbereit war niemand, es sollte nur hass artikuliert werden.

    Diese gespielte Empörung ist nun auch ein bisschen peinlich. Na deshalb trägt man doch da Israel-Fahnen: Um die vorhersehbaren Reaktionen skandalisieren zu können. Aus letzteren spricht, zumindest da würde ich dir recht geben, ein Ressentiment. Eine Frankreich-Fahne hätte kaum solche Reaktionen hervorgerufen.

    Witzig auch, wie du einerseits berechtigtermaßen gegen die Bewegungslinke pöbelst, dann aber dafür plädierst die ADs wieder ins Boot zu holen, weil die doch so zahlenmäßig wachsen würden, während du die FAU deshalb „lächerlich“ findest, weil sie „ohne Massenbasis“ ist.

    Deine lustige Buchstabenverwendung gibt mir den Rest. Wenn du so weiter machst, werde ich dich verlinken – aus Unterhaltungsgründen.

  6. 6 rr 13. April 2009 um 13:35 Uhr

    @ stachelblume: abgesehen von deiner berechtigten kritik am der fehlenden genderung, stellst du fragen, die ich in meinem text bereits beantwortet habe und du hast offenbar den text der neocommunisten nicht wirklich gelesen/verstanden, sonst wuerde dir auffallen dass sehr wohl zwischen ums ganze und il differenziert wird.

    @ cony: das problem ist eben genau die von dir vertretene sicht der dinge: die usa werden stellvertretend fuer den kapitalismus verantworlich gemacht. wir reproduzieren den kapitalismus jedoch alle. nicht blosz die amis.

    @ subtext: auf so nerviges gehate hab ich keine grosze lust. ich versuchs trotzdem mal, in der hoffnung dass das dann konstruktiver wird.

    die israelfahne bringt strukturelle und offene antisemiten schlicht dazu ihr wahres gesicht zu zeigen. genau das ist ja auch passiert.

    warum du mir „gespielte empoerung“ unterstellst frage ich mich wirklich. ich kann dir versichern, dass ich mich tatsaechlich aufrege. vielleicht sogar mehr als gut ist.

    und natuerlich war vorher klar, dass es zu solchen reaktionen kommen wuerde. jedoch hatte ich aus dem bereich des „ums ganze“-buendnisses auch mehr solidaritaet erwartet. dass die reaktionen auch von dieser seite komplett einseitig ausfallen wuerden, hatte ich in dieser form tatsaechlich nicht erwartet. das ist aber auch gar nicht der punkt. das argument, dass vorher klar sei dass solche reaktionen kommen und das tragen der israelfahnen daher unsinn sei ist keins. kritik ist auch berechtigt, wenn sie keine chance hat in nennenswertem umfang gehoert zu werden.

    und am ende bleibt, egal wieviel hier verdreht wird: die linksradikalen gruppen in ffm kolaieren mit antisemiten, mit antideutschen jedoch nur, wenn diese ihr anti-d-sein nicht offen zeigen.

  7. 7 Subtext 16. April 2009 um 17:03 Uhr

    auf so nerviges gehate hab ich keine grosze lust. ich versuchs trotzdem mal, in der hoffnung dass das dann konstruktiver wird.

    Die Moral-Vorschrift, Kritik habe konstruktiv zu sein, ist Blödsinn. Ich kritisiere doch deinen identitären ideologischen Flickenteppich, damit du ihn wegwirfst, anstatt ihn auszubessern. Wenn ich aufzeige, warum ich etwas für falsch halte, muss ich dir deshalb keine Alternativen bieten oder besonders nett zu dir sein.

    Hast du denn, wo du „COMMUNISM“ in deinem Banner stehen hast, noch nie etwas von Ideologiekritik gehört?

    warum du mir „gespielte empoerung“ unterstellst frage ich mich wirklich. ich kann dir versichern, dass ich mich tatsaechlich aufrege. vielleicht sogar mehr als gut ist.

    Geschenkt, du bist wirklich empört.

    kritik ist auch berechtigt, wenn sie keine chance hat in nennenswertem umfang gehoert zu werden.

    Da gehe ich sogar mit dir mit. Nur was sind denn bitte Israel-Fahnen für eine Kritik?

    und am ende bleibt, egal wieviel hier verdreht wird: die linksradikalen gruppen in ffm kolaieren mit antisemiten, mit antideutschen jedoch nur, wenn diese ihr anti-d-sein nicht offen zeigen.

    Und da möchtest du jetzt gerne den demokratischen Gleichbehandlungsgrundsatz anbringen?

  8. 8 rr 18. April 2009 um 14:11 Uhr

    @subtext: schoen und gut, aber wenn du mich zu sehr nervst fuehrt das einfach dazu, dass ich deine kommentare loesche, ohne sie zu lesen. was willst du damit erreichen?

    doch, ich habe schonmal was von ideologiekritik gehoert. *seufz*

    israel-fahnen sind – wie das bei demonstrationen auch kaum anders geht – blosz ein symbol. allerdings finde ich es durchaus legitim im kontext der krisendemo von kritik zu sprechen, da damit explizit gegen den als „antinational“ geltenden konsens verstossen und damit auch direkt deutlich gemacht wurde, dass eine solidarisierung mit israel alternativlos ist. weiterhin findet sich kritik in meinem blog-eintrag.

    ich forder keine „demonkratische gleichbehandlung“, ich weise auf einen eklatanten miszstand hin.

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