Archiv für April 2009

gegen die krise oder selbst die krise? am 28.03.09 waren in frankfurt und berlin die sogenannten “krisendemos”. breite buendnisze von gewerkschaftern, attac-weltvebeszerern etc. protestierten gewohnt reformistisch dagegen, dasz sie (und nicht die “heuschrecken”, also manager, amerikaner, juden usw.) die folgen der sogenannten “finanzkrise” zahlen muessten.

in frankfurt wurde als gegenpart dazu gleichzeitig vom “ums ganze”-buednisz eine “antinationale” demonstration unter dem motto “staat.nation.kapital.scheisze. fuer die soziale revolution” abgehalten. die gruppen, welche die demo faktisch organisierten, waren vor allem die autonome antifa [f] und die freie arbeiterinnen union (kurz fau), eine anarchistische initiative zur gruendung einer gewerkschaft ohne massenbasis.

allgemeine aussagen zum “ums ganze”-buendnis spare ich mir mal und verweise lieber auf das flugblatt der neocommunistinnen. dieses gibt zwar nicht hundertprozentig meine meinung zu dem thema wieder, aber die problematik wird doch sehr umfassend beleuchtet. wobei der diss gegen die ewig gestrigen von der “interventionistischen linken” natuerlich geschenkt ist. leute die da mitlaufen erreichen gut gemeinte appelle sowieso hoechst selten.

aber nun konkret zum verlauf bzw. zum verlauf des beginns der demo in frankfurt. einige israesolidarische antifas beschloszen, angesichts der grassierenden strukturell antisemitischen kapitalismuskritik, welche “die gierigen manager” fuer die “finanzkrise” verantwortlich macht, auf der demo israelfahnen zu tragen. die personen wurden direkt nach dem entrollen ihrer fahnen beleidigt und angepoebelt, dieses verhalten setzt sich im verlauf der demonstration fort und kulminierte etwas spaeter auch in der androhung von koerperlicher gewalt. diskussionsbereit war niemand, es sollte nur hass artikuliert werden.

die veranstalter wiesen die fahnentraeger darauf hin, dasz dies eine “antinationale” demonstration sei und es einen konsens gebe, welcher besage, dass nationalfahnen nicht zulaeszig seien. als “kompromiss” wurde vorgeschlagen, dass die fahnentraeger sich an das ende der demo begeben, wo die “kommunistische partei der tuerkei” lief, aus deren reihen es bereits zu gewaltdrohungen gekommen war. auf den hinweis, dass mensch dort mit einer israelfahne wahrscheinlich verpruegelt werden wuerde, gab es eine deutliche antwort: “das ist nicht mein problem.”. auf inhaltliche diskuszionen lieszen sich die organisatoren zu keinem zeitpunkt ein. den hinweis, dass viele demonstranten einen antisemitischen putzlappen um den hals trugen lieszen sie ebenso wenig gelten, wie die verweise auf zur schau getragenen strukturellen antisemitismus (z.b. demonstrant mit durchgestrichenem dollarzeichen auf der wange). sogar ein (sehr frischer) aussteiger aus der militanten nazi-szene durfte auf der demo mitlaufen. des weiteren wurden anti-israelische flyer der hetzschrift “gegenstandpunkt” verteilt.

aufgrund der staendigen drohungen und poebeleien, gepaart mit der mangelnden solidaritaet der organisatoren, verlieszen die fahnentraeger die demonstration kurz nach beginn. auch weiterhin gilt in frankfurt: es wird lieber mit (strukturellen) antisemiten und antiimps demonstriert, als mit israesolidarischen linken, die diese solidaritaet auch nach auszen artikulieren moechten. lieber wird mit der laecherlichen fau koaliert, die in frankfurt vielleicht 20-30 personen mobilisieren kann, als zu versuchen die wachsende zahl israelsolidarischer linker, welcher sich aus solchen gruenden aus der szene zurueckgezogen haben, wieder ins boot zu holen. einzig positiv hervorzuheben ist die spontane solidaritaet einiger genossen aus wuerzburg, welche vermutlich durch ihre anwesenheit einer eskalation entgegengewirkt haben.

als einzige gelungene aktion koennen also die stoerungen bei der rede lafontaines gewertet werde. ein schwacher trost.