querfront im exzess… im café exzess, welches sich selbst gerne als autonomes zentrum darstellt, fuehrt die theatergruppe “dramatische buehne” seit dem 27. februar die oper “der ring des nibelungen”von richard wagner in einer gekuerzten version und als theaterstueck auf. dies ist in der linken szene frankfurts bisher voellig unkommentiert geblieben. nicht zuletzt wohl auch deswegen, weil die “dramatische buehne”einen groszen teil der miete im exzess bezahlt. daher besteht von seiten der betreiber dieses ladens ein oekonomisches interesse daran, jedwede konfrontation mit der schauspieltruppe zu vermeiden. unwissenheit kann jedenfalls von seiten des exzess-plenums nicht geltend gemacht werden, da die theatergruppe ja jeden vorfuehrungstermin dort hat absegnen lassen (muessen) und auszerdem werden die auffuehrungen mit legal geklebten plakaten in der ganzen stadt beworben.

zunaechst ist der zeitpunkt der auffuehrung interessant. “der ring des nibelungen”basiert auf einem germanischen mythos und ist bei deutschen nationalisten als gruendungsgeschichte des “germanischen volkes”beliebt. mensch mag von einem zufall ausgehen, aber vielleicht ist das auch einfach die art der “dramatischen buehne”den 60. geburtstag des rechtsnachfolgers des 3. reiches, der bundesrepublik also, zu feiern. am 23. mai ist es naemlich so weit: 60 jahre postnazismus! zwar geht das programm auf der homepage der schauspieltruppe nur bis zum 12. april, aber das heiszt eben auch nicht, dass die auffuehrungen danach enden. da bietet es sich doch an, den “ring des nibelungen”bis zum 1. september aufzufuehren und so den ueberfall deutschlands auf polen gleich auch noch zu feiern.

weiterhin ist richard wagner als autor des originals eine betrachtung wert. wagner war antisemit. das zu leugnen ist bar jedweder rationalitaet, da wagner sich nicht nur offen antisemitisch aeuszerte, sondern sogar eine entsprechende hetzschrift mit dem titel “Das Judenthum in der Musik”verfasste. zitat: “Aber bedenkt, dass nur Eines eure Erlösung von dem auf euch lastenden Fluche sein kann: die Erlösung Ahasvers, – der U n t e r g a n g!”dieser, an alle juden gerichtete satz macht deutlich, dass es wagner um nicht weniger ging, als das judentum zu vernichten. umstritten ist, ob wagner auch die physische vernichtung aller juden oder “nur”derer anstrebte, die nicht willens sind, ihrem glauben und ihrer kultur abzuschwoeren. dies ist jedoch eher ein detail und kein grund, wagners antisemitismus als wenig gewichtig anzusehen. ein weiteres zitat von wagner ist: “Ob der Verfall unserer Cultur durch eine gewaltsame Auswerfung des zersetzenden fremden Elementes aufgehalten werden könne, vermag ich nicht zu beurtheilen, weil hierzu Kräfte gehören müssten, deren Vorhandensein mir unbekannt ist.” hier ist zusaetzlich erkennbar, dass wagner darauf hofft, dass eine “kraft”entsteht, die alle juden aus “unserer cultur”entfernt. eine aufforderung, der die nazis spaeter mit freuden nachgekommen sind.

damit sind wir auch schon bei einem weiterem thema: wagner und der nationalsozialismus. wagner scheint einer der kulturellen wegbereiter des nationalsozialismus gewesen zu sein. er faselte gerne von einer revolution, jedoch hatte er damit offenbar wenig emanzipatorisches im sinn. hitler selbst sagte, wagner sei die “größte Prophetengestalt, die das deutsche Volk besessen” habe und meinte damit offenbar vor allem wagners antisemitische vernichtungphantasien und seine traeume von der totalen einheit des deutschen volkes. hitlers lieblingsopern waren allesamt von wagner. das interesse am wagnerschen werk ging so weit, dass hitler per “fuehrerbefehl” einfluss auf die auffuehrung von wagner-opern bei den ”bayreuther festspielen”nahm. dies mag auch der geltungssucht eines ehemaligen postkartenmalers geschuldet sein, aber hitler haette eben auch auf andere opern einfluss nehmen koennen, doch den werken wagners fuehlte er sich am meisten verbunden.

aber auch losgeloest von autor und historischem kontext gibt die oper ”der ring des nibelungen” anlass zur kritik. in dem stueck geht es durchgehend um germanischen goetter- und heldenkult. siegfried, der strahlende held, ist ein germnischer herrenmensch von dem schlage, wie ihn sich auch hitler vorstellte. in dem epos sind immer diejenigen siegreich, die mit brutaler gewalt ihre interessen durchsetzen. dies wird jedoch nicht als negativ dargestellt, sondern praktisch als gesetzmaesziger, ”natuerlicher”lauf der dinge. genauso wie die nazis es als ”natuerlich”ansahen, dass verschiedene menschliche ”rassen”um ”lebensraum”und natuerliche ressourcen kaempfen und dabei eine ”rasse”die andere besiegt, also ausloescht. gegner der ”helden”in der oper sind uebrigens vor allem die nibelungen, seltsame boesartige fabelwesen, welche furchtbar haesslich sind. auszerdem sind sie gierig nach reichtum und macht. hier werden antisemitische klischees bedient. am ende der nibelungen gibt es dann noch das grosze ende mit schrecken und den beginn einer ”neuen zeit”. hier spiegeln sich todessehnsucht und vernichtungsphantasien der nazis wieder.


9 Antworten auf “”


  1. 1 antifa ffm 05. März 2009 um 19:47 Uhr

    dir gehört doch einfach nur wegen gallopierender Blödheit die fresse poliert, du schmock. du merkst echt nix mehr.

  2. 2 rr 06. März 2009 um 15:45 Uhr

    allein diese aussage zeigt den geistigen horizont des verfassers/der verfasserin. leute wegen
    “gallopierender Blödheit” mit der pruegelstrafe zu belegen ist wirklich ein sehr emanzipatorisches unterfangen.

  3. 3 v 13. März 2009 um 18:12 Uhr

    hast du dir denn mal angeschaut, was die dramatische bühne aus dem stoff macht, oder willst du jeden künstlerischen umgang damit per se verbieten?

  4. 4 rr 15. März 2009 um 22:27 Uhr

    wie mensch zu der frage kommen kann, dass ich mithilfe meines textes irgendetwas verbieten moechte, ist mir schleierhaft. schlieszlich berichte ich nur und fordere die leserinnen nicht etwa zu irgendwas auf.

    der punkt ist aber, dass mensch auf der internetseite der dramatischen buehne ausschnitte aus dem stueck sehen kann, die zeigen, dass der umgang unkritisch erfolgt. weiterhin wird in veranstaltungshinweisen usw. ganz unkritisch erklaert, die gruppe fuehre etwas von richard wagner auf – ganz ohne darauf hinzuweisen, dass es sich dabei nicht um einen x-beliebigen kuenstler handelt.

    die dramatische buehne ist eben auch eine vornehmlich buergerliche theatertruppe, bei der mensch politisches verstaendnis nicht vorraussetzen kann. dass eine solche gruppe innerhalb eines autonem zentrums aber narrenfreiheit zu besitzen scheint, gibt mir doch sehr zu denken.

  5. 5 pp 16. März 2009 um 5:04 Uhr

    Mir geben nur Kulturkämpfer wie du zu denken, die sich genauso wie FPÖler über ungesehene Jelinek-Stücke aufregen, aber vorher schon wissen das der Untergang ihres geliebten Abendlandes bei Aufführung nahe rückt. Wenn du irgendwas zur Dramatischen Bühne oder den Umgang des Exzess mit ihr zu sagen hast darfst du dich gerne auf ein Ex-Plenum bewegen oder mit der DB selbst reden. Aber da wird ja lieber anonym im Internet gehetzt.
    Wird aber auch mal Zeit, das nach den Nackten des Antagon-Theaters in den 90ern mal wieder ein gelbes Flugblatt für Erheiterung sorgt.

  6. 6 rr 16. März 2009 um 18:02 Uhr

    die analogie zu rechtspopulisten ist laecherlich und dient nur dem zweck der diffamierung. auch von dir wird also offenbar „lieber anonym im Internet gehetzt“. die behauptung ich wuerde in diesem artikel „hetzen“ ist ohnehin laecherlich und steht in der deutschen tradition der kritikfeindlichkeit. mit kritik an der „szene“ darf mensch nicht an die oeffentlichkeit – sonst ist sie eine spalterin. bravo – es lebe das „linke“ racket!

    ich habe uebrigens montags abends besseres zu tun, als dem plenum dieses abgehalfterten ladens beizuwohnen. auszerdem bin ich auch nicht der meinung, dass diese problematik irgendeiner erklaerung bedarf. vielmehr ist das problem mehr als offensichtlich, wenn mensch mit offenem augen durch die welt geht. und das argument, dass ich das stueck nicht gesehen habe zieht auch nicht besser, wenn es wiederholt wird. ich antworte auf sowas nur einmal, schlieszlich ist das weiter oben nachzulesen.

  7. 7 kulturbolschewist 18. März 2009 um 16:43 Uhr

    beim nächsten mal wird im exzess-theater vermutlich eine miniatur-version des reichsparteitages nachgestellt….

  8. 8 rr 20. März 2009 um 19:36 Uhr

    soll das ironie sein? oder vergleichst du das ernsthaft?

  9. 9 Dan Reason 21. März 2009 um 23:38 Uhr

    „Aber da wird ja lieber anonym im Internet gehetzt.“

    Na klar ist die Variante angenehmer. Die letzten Male, das sich Leute aus „unserem Spektrum“ endeten mit Schlägen für die entsprechenden Personen, wie es ja hier auch wieder angedroht wird. (s. comment oben)

    Und wenn die Dramatische Bühne den Ring des Nibelungen nicht komplett neu interpretiert (wonach es auf ihrer Homepage wirklich überhaupt nicht aussieht), wird da auch nicht viel zu retten sein.
    Es handelt sich hier (u.a.) um einen klassischen Fall von verkürzter Kapitalismuskritik. Im Rheingold beispielsweise werden klassische antisemitische Stereotype auf Alberich übertragen. Alberich ist hässlich und kann die Nixen trotz intensivem Versuchens nicht fangen, weil er körperlich hoffnungslos unterentwickelt ist. Gleichzeitig schaut er ihnen lüstern zu. Als er die Nixen nicht haben kann, setzt sofort seine Macht- und Geldgier ein. Ich empfehle hier mal den Wikipedia-Artikel dazu, der zwar überhaupt nicht die antisemitischen Konnotationen beachtet, diese aber durch die klare Schilderung der Handlung deutlich offenlegt.
    Später lässt sich Alberich einen Tarnhelm herstellen damit er „überall gegenwärtig ist und alle Nibelungen, auch Mime, zur Arbeit anpeitscht“ (wikipedia)
    Und so geht es immer weiter. Das Stück ist ein einziges antisemitisches Machwerk.
    Wollte die dramatische Bühne diesen Kontext tatsächlich reflektieren, wäre es konsequent gewesen eine der zahllosen Parodien auf das Stück aufzuführen, bspw. „Die lustigen Nibelungen“ von Straus. Oder aber, das ist aber nach Sehen des Trailers eigentlich ausgeschlossen, eine ähnlich verfremdende Interpretation aufführen, wie es beispielsweise Kresnik 2006 getan hat.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.